Talking Digital unter drei mit Gast-Host Solveig Gode, Business Insider: Das Rollenverständnis von PR und Journalismus und was macht eigentlich eine:n echte:n Expert:in aus? (Episode 77)

Timo befindet sich im wohlverdienten Urlaub und wird in der aktuellen Folge “Talking Digital unter drei” gebührend vertreten von Solveig Gode vom Business Insider. Als Gast-Host ergänzt Solveig die Diskussionen von Sachar und Kristin und ordnet die aktuellen Debatten journalistisch ein.

Eine Diskussion, die zuletzt an kaum einer Redaktion oder einem Kommunikationsteam vorbeigegangen ist, war die Forderung des Beirats der jungen Digitalwirtschaft nach einer Disziplinierung der Presse in einem Positionspapier für das Wirtschaftsministerium, um so die positive Berichterstattung zu Börsengängen junger Digitalunternehmen zu fördern. Eine Steilvorlage für Solveig, die diese Story nicht nur einordnet, sondern noch einmal deutlich aufzeigt, wo die Grenzen der Zusammenarbeit von Redakteur:innen und Unternehmer:innen erreicht sind. Parallel fragt sich Sachar, ob der fahrlässige Umgang mit der Verantwortung, die mit der Arbeit und dem Amt als Beirät:in einhergeht, symptomatisch ist für eine mögliche Hybris von Digitalunternehmer:innen. Mehrere der Beiratsmitglieder hatten zugegeben, nicht an der Beiratssitzung teilgenommen, das Positionspapier vor Veröffentlichung nicht gelesen und dennoch mit ihrem Namen unterzeichnet zu haben.

Im zweiten – themenverwandten – Teil, diskutieren Kristin, Sachar und Solveig über Thought Leadership und Expert:innenpositionierung. Häufig nennen Unternehmer:innen dieses selbst gesteckte Ziel, wenn es darum geht sie selbst oder ihre Unternehmen in die Öffentlichkeit zu bringen. Solveig teilt Einblicke, welche Rolle eigentlich Expert:innen in der Berichterstattung spielen, warum die Gründung eines Unternehmens nicht zwingend eine Qualifizierung zum Expert:innenstatus ist, wie sich Wissenschaftler:innen und Unternehmer:innen in ihren Expert:innenstatements unterscheiden und wonach konkret sie für ihre Berichterstattung sucht. Gemeinsam überlegen sie, warum es noch immer mehr Experten als Expertinnen in den Medien gibt und wie Schweizer Medientreibende dem entgegen arbeiten wollen.


Shownotes:
00:18 Begrüßung
00:57 Wer ist Solveig Gode und der Podcast Macht und Millionen über echte
Wirtschaftskrimis
04:50 Casa Beirat der jungen Digitalwirtschaft
11:56 Hybris und der kommunikative Umgang der Beteiligten mit dem Vorfall
16:20 Case Wirecard
20:26 Was macht für Journalist:innen eigentlich ein:e Expert:in aus?
31:48 Mehr Expertinnen in der medialen Berichterstattung
43:40 Sprecht mit uns unter #TalkingDigital und Verabschiedung

Links zu dieser Folge:
https://www.businessinsider.de/themen/macht-und-millionen/
https://www.businessinsider.de/autoren/solveig-gode/2/?order=popular

Hate Speech und Bürger:innen-Dialog auf Social Media mit Birand Bingül, Leiter der ARD-Kommunikation (E 76)

In dieser Episode von Talking Digital spricht Birand Bingül, Leiter der ARD-Kommunikation mit Kristin und Timo über die Herausforderungen bei der Unternehmenskommunikation der ARD.

WDR, NDR, SWR, HR … die Liste der Sender des ersten öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm Deutschlands – der ARD – ist lang. 15 Sender sind es insgesamt, mehr als 100 Kanäle gilt es zu bespielen und täglich unzählige Themen zu bearbeiten. Die ARD-Kommunikation unterliegt einer sehr komplizierten Stakeholder-Landschaft mit unterschiedlichen Ansprüchen, die es gilt im Blick zu behalten. „Gerade das macht es doch spannend”, findet Birand Bingül, seit 2020 Leiter der ARD-Kommunikation. Der ehemalige Journalist und Buchautor ist mit seinem Team für den direkten Austausch mit Medien und Zuschauer:innen über Social Media, Content auf eigenen Kanälen und durch Kampagnen und bei Events zuständig.

Social Media spielt dabei auch in der ARD-Kommunikation eine immer größere Rolle.
Von frühmorgens bis in die späten Abendstunden betreibt das ARD Social Media Team Monitoring und Community Management, um angemessen und schnell auf Hate Speech im Netz, genauso aber auch auf berechtigte Kritik reagieren zu können. „Schweigen auf Social Media ist keine Antwort”, findet Bingül. Gerade in Hinblick auf „Trolle“ im Netz, die bewusst Krach um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk machen. Außerdem sei man viel glaubwürdiger, wenn man zu den Zeiten im Netz unterwegs ist, zu denen es auch die Community ist.

Bei seiner Kommunikation versucht das Team von Bingül, immer sachlich zu agieren, wenn möglich aber auch mit einem kleinen Augenzwinkern und Haltung: „Wir sagen offen und ehrlich, wenn wir etwas nicht richtig gemacht haben. Keiner gibt Fehler gerne zu. Aber schließlich machen wir unseren Content im Auftrag der Bürger:innen, die dafür zahlen.”

Und die größten Herausforderungen für die Unternehmenskommunikation in der Zukunft? Zum einen gehe es darum, folgende Fragen beantworten zu können: „Gibt es Klarheit und Commitment auf allen Ebenen, was kommuniziert wird und bin ich in der Lage, das richtig rüber zu bringen“? An zweiter Stelle nennt Bingül die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI), die aus seiner Sicht großes Potenzial besitzt. „KI wird unsere Kommunikation nicht übernehmen, uns aber sicherlich dabei unterstützen.“

Shownotes:
00:18 Begrüßung
00:58 Intro Birand Bingül
02.48 Sortierung, Fokus und Priorisierung bei der ARD-Themenvielfalt
08:00 Aufbau der ARD-Kommunikationsabteilung
12:40 Umgeben von Journalist:innen: Geschenk oder Herausforderung?
15:42 Vom Journalisten zum Kommunikator
18:38 Umgang mit Hatern im Netz
28:45 Die ARD auf Instagram, Twitter und LinkedIn
32:16 LinkedIn Kommunikation und 24/7 statt 9/5
37:47 Herausforderungen für die Unternehmenskommunikation
40:37 Der Talking Digital Tool Tipp

TOOLTIPP
Teams auf dem Handy: https://www.microsoft.com

Birand Bingül auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/birand-binguel